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LEITWORTE DER DEUTSCHEN EVANGELISCHEN KIRCHENTAGE
1949: Erster Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hannover – „Kirche in Bewegung“ 1950: Essen – „Rettet den Menschen“ 1951: Berlin – „Wir sind doch Brüder“ 1952: Stuttgart – „Wählt das Leben“ 1953: Hamburg – „Werft euer Vertrauen nicht weg“ 1954: Leipzig – „Seid fröhlich in Hoffnung“ 1956: Frankfurt am Main – „Lasset euch versöhnen mit Gott“ 1957: 17 Landeskirchentage und Herbsttreffen in Berlin – „Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott“ 1959: München – „Ihr sollt mein Volk sein“ 1961: Berlin – „Ich bin bei euch“ 1962 - 1989: Nach dem Bau der Mauer finden in der DDR regionale evangelische Kirchentage statt 1963: Dortmund – „Mit Konflikten leben“ 1965: Köln – „In der Freiheit bestehen“ 1967: Hannover – „Der Frieden ist unter uns“ 1969: Stuttgart – „Hungern nach Gerechtigkeit“ 1971: Ökumenisches Pfingsttreffen Augsburg – „Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat“ 1973: Düsseldorf – „Nicht vom Brot allein“ 1975: Frankfurt am Main – „In Ängsten - und siehe wir leben“ 1977: Berlin – „Einer trage des anderen Last“ 1979: Nürnberg – „Zur Hoffnung berufen“ 1981: Hamburg – „Fürchte dich nicht“ 1983: Hannover – „Umkehr zum Leben“ 1985: Düsseldorf – „Die Erde ist des Herrn“ 1987: Frankfurt am Main – „Seht, welch ein Mensch“ 1989: Berlin (West) – „Unsere Zeit in Gottes Händen“ 1991: Ruhrgebiet (erster Kirchentag nach der Wiedervereinigung) – „Gottes Geist befreit zum Leben“ 1993: München – „Nehmet einander an“ 1995: Hamburg – „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“ 1997: Leipzig – „Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben“ 1999: Stuttgart – „Ihr seid das Salz der Erde“ 2001: Frankfurt am Main – „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ 2003: Erster Ökumenischer Kirchentag in Berlin – „Ihr sollt ein Segen sein“ 2005: 30. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hannover – „Wenn dein Kind dich morgen fragt...“ 2007: 31. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Köln – „Lebendig und kräftig und schärfer“2009: 32. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Bremen - „Mensch, wo bist du?“ 2010: Zweiter Ökumenischer Kirchentag in München - "Damit Ihr Hoffnung habt" 2011: 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden - "… da wird auch dein Herz sein" 2013: 34.Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hamburg - "Soviel Du brauchst"
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"Jesus war ein toller Typ, denn er hatte alle lieb, aus Wasser machte er ja Wein, wer möchte nicht sein Kumpel sein? Aus einem Brot macht er gleich zwei, da ist für jeden eins dabei.".......so klang es uns am dritten Tag abends in einer der vielen Berliner U-bahnen aus dem Munde eines leicht angeheiterten Mannes entgegen, der offensichtlich mit den vielen orangefarbenen Schals nicht so recht etwas anfangen konnte. Und überhaupt: sprach aus ihm nicht ein Teil der Seele deutscher Geschichte? Sehr treffend war dieser Eindruck in einer Berliner Zeitung formuliert: "Wie kommt Gott in die Stadt der Heiden?" Ja, 40 Jahre DDR, die sind nun mal da, ob man es gern hat, oder nicht! Und weiter ist sicher der in dieser Zeitung formulierte Eindruck richtig, dass die meisten Berliner mit den Kirchentagsbesuchern wenig anfangen konnten. Irgendwie waren sie für sie wie Bewohner eines anderen Sterns. Es fehlte halt die Übung, ja, der Umgang mit gewachsener christlicher Kultur. Und doch: im Lied des angetrunkenen Mannes war nicht etwa Agression zu spüren. Nein, es war eher Neugier, so nach dem Motto: "Warum machen die das? Was haben die davon?" Tja, und dann war da noch das Abschiedsessen mit unserer Gastgeberin und ihrem Lebenspartner. Da erschien er dann, der "Störende", Hausmeister seines Zeichens, tätowiert an allen sichtbaren Stellen, mit Nasen- und Ohrenringen- ganz das, was Vorurteile bestätigt. "Am Schal erkannt", mischte er sich in unsere friedlich christliche Diskussion. Und er erzählte ungefragt, was er so alles getan hatte: Mahnwachen zur Zeit der Mauer, Kirchenasyl zur Zeit des Mauerfalls... alles sehr einfach formuliert, gar nicht intellektuell. Ja, da waren wir - trotz der unangenehmen Berührtheit, die wir verspürten - beschämt. Was hatten wir dagegen aufzuweisen? An diesem Beispiel wurde uns wieder einmal deutlich, dass Christentum doch gerade auch von dieser Basis lebt. "Ein Leib, viele Glieder": das sollte einem täglich bewusst sein. Summa summarum: noch nie haben wir bei so vielen Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Kulturen so viel Freude und Toleranz selbst in Stresssituationen erlebt. Und so Gott will und wir leben: wir werden den nächsten Kirchentag gerne wieder mitmachen.( von Sigrid und Ralf-Peter Becker) |
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Kirchentage sind jung....und bunt....und lebendig....und anstrengend. Und sicher kann man noch viel mehr zu Kirchentagen in ihrer geradezu „erschlagenden Vielfalt“ sagen. Für den Kirchentag in Hannover galt insbesondere das „Jungsein“. Weit über fünfzig Prozent der Besucher/innen waren unter 30. Da fühlt man sich auch als älterer Mensch jung, zumindest junggeblieben. Die Lebendigkeit der Jugend steckt an. Ihre Suche nach Sinn macht nachdenklich ,fordert Antworten, gibt Hoffnung in einer Zeit, wo von „Sinnentleerung und Werteverfall“ die Rede ist. Ja mehr noch.... plötzlich merkt man, dass man in diesen Tagen nicht mehr in der Minderheit ist als Kirchenmitglied: und das ist ein schönes Gefühl! Hier wird nicht vor leeren Kanzeln nur für alte Menschen gepredigt. Und spätestens an dieser Stelle sollte man sich die Frage stellen, warum es bei Kirchentagen, Weltjugendtagen und anderen öffentlichen kirchlichen Veranstaltungen fröhlich und voll ist , hingegen in unseren sonntäglichen Gottesdiensten oft eher traurig und leer. Da muss doch was falsch sein, wenn wir Erwachsenen einer suchenden Jugend „die frohe Botschaft“ wohl nicht so froh vermitteln können, dass unsere Kirchen wieder voll werden. Die Jugend ist die Zukunft der Kirche, und da muss sich sicher Entscheidendes ändern, um das gute alte „Schiff Kirche“ auch im Alltag wieder flotter zu bekommen. Wir müssen nach Wegen suchen und sie auch finden, um die Jugend viel mehr in kirchliche Tätigkeiten einzubinden. Kirchentage zeigen Wege auf, um das „Kirchenschiff“ in die richtige Richtung zu steuern. Kirchentage machen Mut bei der Suche nach Antworten für die dringendsten Probleme unseres Lebens. Und so haben wir es wahr gemacht: in Hannover waren wir wieder dabei. Diesmal war es zwar nicht ökumenisch wie in Berlin, doch es war viel Ökumene dabei; ja, insbesondere der interreligiöse Dialog wurde stark betont: so gab es eine Menge von Veranstaltungen zum Thema „Beziehungen zwischen den Religionen“, insbesondere Judentum, Christentum und Islam. Und gerade hier gilt es doch, die wirkliche religiöse Situation unserer Gesellschaft anzunehmen und durch Toleranz und Akzeptanz wirklichen Frieden im Zusammenleben zu ermöglichen. Das sicher Verkehrteste, was wir brauchen, ist falsch verstandener Missionseifer, der zu Ausgrenzung und Abspaltung führt. Wir müssen – bei aller realen Unterschiedlichkeit – im Dialog bleiben, Gemeinsamkeiten suchen, mehr zusammen unternehmen, ja, einfach zusammen leben, wirklich leben. Und das kann weder von jüdischen, noch christlichen, noch muslimischen Institutionen verordnet werden, das muss von jedem von uns gelebt werden: wir müssen die kleinen Schritte aufeinander zu machen. Wenn dieses Gefühl des Aufbruchs ein Signal dieses Kirchentages ist, das von vielen Menschen, insbesondere den jungen, in praktisches Leben umgesetzt wird, dann ist in Hannover viel erreicht worden. ( von Ralf-Peter Becker)
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Evangelischer
Kirchentag 2007 im „Heiligen Köln“! Na und? Ging doch ganz prima! Und
von wegen: „Köln ist nur katholisch“. Das war – wie auch schon beim Weltjugendtag 2005
– gelebte Ökumene und darüber hinaus Menschlichkeit pur. Da sitzt dann
z.B. eine Muslimin mit einem orangefarbenen Kirchentagsschal in der S-Bahn....wenn
das kein Zeichen sein kann?!. Oft ist gelebte Toleranz an der Basis doch
viel weiter als die Denkprozesse bei Leitungsgremien. „Heilig“ also schon:
aber bitte dann für alle! Und alle, das hieß auch diesmal: ein buntes
Getümmel aller Konfessionen, Religionen und Nationalitäten. So voll wie
in Köln kam es mir auf Kirchentagen noch nie vor: aber wahrscheinlich
lag es daran, dass sich viele Treffen im Stadtkern von Köln abspielten,
und da ist es recht eng. Es war schon gut, dass man den Überblick dank
„Public Viewing“, das ja seit der Fußball WM 2006 Standard ist, behalten
konnte. Mit drei Beispielen – von denen es sicher tausende gibt – möchte
ich den Versuch wagen, das Motto des Kirchentages, das sich auf Gottes
Wort bezieht, auf unsere menschlichen Taten anzuwenden. LEBENDIG: wo kann
man schon einen Gottesdienst (beim Kölsch) in einer Kneipe verbringen,
und da wird gesungen und gebetet, und beim „Vater Unser“ erheben sich
alle; ja, sogar die taiwanesische Bedienung hält beim Kassieren inne und
faltet die Hände. Ehrlich erlebt in Köln! Einfach lebendig! KRÄFTIG: es
war schon beeindruckend, wie aus einer Idee eine Initiative werden kann.
Gemeint ist hier die Idee des „Gütesiegels für Arbeitsplätze“ unseres
Gemeindemitglieds und ehemaligen Kirchentagspräsidenten (1997) Dr. Rainer
Meusel, aus der sich die beeindruckende Initiative „ARBEIT
PLUS - Eine Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland“ gebildet
hat. (http://www.arbeit-plus.de/)
Rainer Meusel hatte in Leipzig gesagt:
"Warum ist es eine Erfolgsnachricht, wenn ein Unternehmen
drei Milliarden Gewinn und im selben Atemzug den Abbau weiterer 6000 Arbeitsplätze
ankündigt? Wer neue Arbeitsplätze schafft, sollte ein Gütesiegel erhalten."
Einfach kräftig!
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„Mensch,wo bist du?“ (1.Mose 3,9), das war die Losung des Kirchentages 2009 in Bremen vom 20.05. – 24.05.09, zu lesen auch auf den grau-blauen Kirchentagsschals. Und die Antwort – oft auch „persifliert“ – stand natürlich ebenso darauf zu lesen: „Hier bin ich!“(Jesaja 6,8). Die theologische Dimension weist sicher auf die handelnde Verantwortlichkeit von Christenmenschen in unserer Welt hin, die zu Taten aufruft: „Hier bin ich….und was kann ich tun?“ Die Gefahr allerdings, hierbei einem saurem Moralismus zu unterliegen, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Und somit wies der italienische Waldenser-Bischof Daniele Garonne unter Applaus in seiner Abschlusspredigt darauf hin, dass HOFFNUNG AUF GOTT ALLEIN das Wort sei, das an erster Stelle der Verkündigung stehen muß! Und genau diese Botschaft ist ja auch in der diesjährigen Jahreslosung impliziert: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Lk 18, 27) Sieht man von der theologischen Dimension der Losung ab, so hatten beide Sätze für mich durchaus sehr pragmatischen Charakter: man möge die Trivialität verzeihen! War ich in Überseestadt, dann befand sich ein gesuchter Freund in den Messehallen. War ich in den Messehallen, so bewegte sich besagter Mensch im Umfeld der Innenstadt. Und per Handy oder Funkgerät erfuhr ich dann auf meine Frage „Wo bist Du?“ meine nächste Zielrichtung. Sicher, Bremen ist klein, aber für meine alten Knochen waren viele Wege lang. Es war ein bunter und sehr fröhlicher Kirchentag mit typischer norddeutscher Eigenheit: den Schiffen. Sie tauchten als gefaltete Papierschiffchen (wer kann’s noch?), als wandelnde „Schiffsmenschen“ und natürlich als richtige „große Pötte“ auf. Unzählige Veranstaltungen auf einer kaum zu übersehenden Zahl von Schiffen waren kennzeichnend für diesen Kirchentag. Gerne denke ich an eine Bibelarbeit auf der „Hanseat“ während einer viereinhalbstündigen Fahrt von Oldenburg(meinem Wohnort) nach Bremen mit ca. 300 Teilnehmern. Überhaupt: die Bibelarbeiten waren in diesem Jahr das, was mich besonders anzog: was u.a. der deutsche Astronaut Dr. Thomas Reiter (DF4TR) aus „Weltraumperspektive“ zu sagen hatte, war schon beeindruckend. Neben den vielen „Professionellen“ (Politikern, Kirchenoberen und Künstlern) waren es aber auch dieses Jahr die vielen Laien und Ehrenamtlichen, ohne die ein Kirchentag nicht richtig leben kann: z.B. die große Zahl von jugendlichen Helfern, die – immer freundlich – den Weg wiesen und selbst kaum etwas vom Kirchentag mitbekamen, z.B. die Damen und Herren vom „Gute - Nacht Cafe“ der katholischen Kirche St. Lamberti in Oldenburg, die Kirchentagsteilnehmer bis 24 Uhr für 1 Euro mit „Festem und Flüssigem“ versorgten, z.B. die Amateurfunker der Sonderstation der Kirchentages (DK32DEKT), die in Sonderschichten den Kirchentag weltweit bekannt machten und z.B. das Gesangsteam „Velocanto“ des Kirchenmusikdirektors Manuel Gera (Sankt Michaelis Kirche in Hamburg, genannt „Michel“), das auf einem extra dafür „erfundenen“ Michaelisweg fast 500 Kilometer radelte und in Konzerten in Michaeliskirchen fast 10 000 Euro für „Brot für die Welt“ sammelte…..Alles in allem: es war wieder ein „runder“ Kirchentag mit vielen Eindrücken, der bei aller vordergründig fröhlichen und bunten Vielfältigkeit auch durchaus Räume für Ruhe und Besinnlichkeit beinhaltete. ( von Ralf-Peter Becker)
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„Entschuldigen Sie, ist dies der Sonderzug….nach München“, so hätten wir in leichter Abänderung eines bekannten Liedes von Udo Lindenberg singen können, als wir uns am 12.05.2010 um 05.59 Uhr von Köln aus mit dem als „Gesellschaftszug“ angekündigten Bahngefährt älteren Semesters auf die neuneinhalb Stunden dauernde Fahrt zum Kirchentag aufmachten. Die Fahrt verlief recht kurzweilig mit vielen Gesprächen, mit Lesen, mit Telefonieren ,mit Internetnutzung per webstick und mit Schlafen, und München erreichten wir dann sehr pünktlich, so dass wir erst einmal unsere Quartiere suchen und aufsuchen konnten. Leider wurde es nichts mit der Teilnahme an einem der Eröffnungsgottesdienste, da sich die Verkehrssituation gegen uns – aber auch viele Berufstätige -verschworen hatte: durch einen Feuerwehreinsatz bedingt verkehrte die U3 nicht mehr,…. die Weiterfahrt per Bus entwickelte sich zum Geduldsspiel, und die Gottesdienste waren bei unserer Ankunft vor Ort beendet. Vom „Abend der Begegnung“ konnten wir aber dann später doch noch den ein oder anderen Eindruck mitnehmen, z.B. die unvermeidlichen bayrischen „Folklorebrassbands“, die zur Freude der Kirchentagsteilnehmer über die Kaufingerstrasse zogen. Und daß wir das Ganze auch noch beim Weißbier im Freien auf Gartenstühlen geniessen konnten, strafte die äußerst schlechte Wetterprognose für diesen Tag - Gott sei Dank – Lügen. Doch insgesamt gesehen war die Wettervorhersage leider richtig: es war viel zu kalt und regnerisch; und deshalb flüchteten die meisten Teilnehmer zu Veranstaltungen, die in den Gebäuden abgehalten wurden. Die Hallen in der Messe waren bei allen Veranstaltungen sehr gut besucht, und wenn die Kirchen in der Stadt bei „normalem Sonntagesbetrieb“ so gefüllt wären wie bei Kirchentagsveranstaltungen, könnte man durch Körperwärme Heizkosten sparen – auch ein Umweltbeitrag. Trotz des „Sauwetters“ waren immer noch so viele Menschen auf der Strasse, dass man sich am Marienplatz wie anno 2006 bei der WM vorkam, wenn da nicht die orange-weißen Fahnen und die Schals des Kirchentagsvolkes im Wind geflattert hätten. „Damit ihr Hoffnung habt“, so lautete das Motto des Kirchentages, das auf den Schals zu lesen war. Im Kleinen wurde das bei Margot Käßmann klar, die – wie keine andere Person – wie Phönix aus der Asche auferstanden war und auf ihren Veranstaltungen große Glaubwürdigkeit vermitteln konnte: das kam an. Doch im Großen musste man beim Handeln der Menschen in diesen Tagen in der Welt doch eher ein Fragezeichen hinter das Motto setzen: Umweltprobleme, wie die aus „Spargier“ der Firma BP entstandene Ölpest vor den Küsten der USA, Wirtschaftprobleme, wie die aus Raffgier entstandene Eurokrise in einem Europa, das über die Verhältnisse lebt……sie kreieren doch eher Zweifel im Hinblick auf eine ethisch saubere Handlungsweise des Menschen in der Schöpfung. In vielen Podiumsdiskussionen wurde ein Umsteuern hier angemahnt, z.B. von der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Frau Göring-Eckart und dem Umweltminister Herrn Röttgen. Insgesamt gesehen war der Kirchentag wirklich gelebte Ökumene im Großen wie im Kleinen. So gab es – trotz „mahnender Verbote“ aus Rom - ein gemeinsames Abendmahl unter der Leitung des 2003 suspendierten Priesters Hasenhüttl – allerdings „nur“ in der technischen Universität und gegen den ausdrücklichen Wunsch der Kirchentagsleitung. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die orthodoxe Vesper auf dem Odeonsplatz, zu der am Freitag ca. 20.000 Menschen kamen, um gesegnetes Brot zu empfangen. Und auch die vielen Begegnungen von Christen der verschiedensten Gemeinden - auch unserer - führten zu intensiven Überlegungen im Blick auf eine Forcierung der Anstrengungen zur Ökumene auf einer Basis, bei der ein Nenner zur Gemeinsamkeit gefunden werden muß, ohne die eigene Identität aufzugeben. Hier ist die Basis – wie so oft – viel weiter, als sich die Kirchenleitungen das wünschen mögen. Und das kann nur ein gutes Omen für einen möglichen dritten ökumenischen Kirchentag im Jahre 2017 sein, dem 500-sten Jahrestag der Reformation, bei dem es eben dann nicht um ein „evangelisches Jubelfest“ (Präses Schneider) gehen soll, sondern erst recht vermehrt um ökumenische Annäherung. ( von Ralf-Peter Becker) |
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Diesmal war alles anders: wir fuhren mit der gesamten Familie, also 5 erwachsenen Personen, am 01.06.2011 mit dem Auto zum Kirchentag nach Dresden, und wir hatten eine Ferienwohnung, die ich schon direkt nach dem Kirchentag in München 2010 über das Internet gebucht hatte. Sicher, die Wohnung lag etwas außerhalb in Leuben, und die Fahrt mit dem ÖPNV dauerte so 40 Minuten, aber da war ich aus München, Bremen und Hannover „trainiert“. Das Wetter war mehr als super: kein Tropfen Regen, heiß bis weit über 30 Grad. Mit Familie reisen heißt natürlich für alle: Kompromisse schließen. Das taten wir dann auch, und so wurden neben Kirchentagsprogrammpunkten in den Zeitplan auch einige „kulturelle Highlights“ Dresdens gepackt: z.B. Frauenkirche, grünes Gewölbe und Raddampferfahrt. Zu den Eröffnungsgottesdiensten schafften wir es zeitlich nicht: die 630 km lange Fahrt dauerte dann doch über sieben Stunden aufgrund der unendlichen LKW Schlangen. Und so wurde der „Abend der Begegnung“ wurde für uns zum Beginn des Kirchentages, den wir mit unserem Pfarrer Düchting feierten: wunderschön und richtig stimmungsvoll bei sternklarem Himmel war es dort an der Elbe unterhalb der Brühlschen Terrassen, als tausende Lichter die Elbe hinunter schwammen, umrahmt von den ungezählten Kerzen der Kirchentagsbesucher. Da sich in der historischen Altstadt am Altmarkt auch die große MDR-Bühne befand, „spielte dort die Musik“ im wahrsten Sinne der Wortes sehr häufig. Und da war dann für jeden Geschmack etwas dabei, von Kirchenmusik in Richtung Pop, über Oberelbtöne bis zur Begleitmusik für einen Bikergottesdienst, die dann schon „heavier“ war. Der Andrang in die Frauenkirche war so enorm, dass sich dort zu jeder Tageszeit lange Schlangen bildeten: doch auch wir schafften es schließlich, uns nach einer Veranstaltung mit Frau Nahles und Herrn Gauck, bei der es thematisch um das Thema „Wir sind der Staat“ ging, die wunderschöne Kirchen ausgiebig anzusehen, da man freundlicherweise alle Emporen für das Publikum freigegeben hatte. Politisch war der 33. ste evangelische Kirchentag generell, und so spielte natürlich der Ausstieg aus der Kernenergie eine unüberhörbare und unübersehbare Rolle: viele Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Plakate verliehen dem dringenden Wunsch des Volkes nach einer Energiewende Ausdruck. Daß Frieden und Gerechtigkeit mit dem Wunsch einer nicht pekuniären Definition von „Reichtum“ thematisch im Vordergrund standen, zeigte sich in vielen Veranstaltungen, und so war u.a. Margot Käßmann auch auf diesem Kirchentag ein Publikumsmagnet. Doch nicht nur Promis wie Christian Wulff, Angela Merkel etc.pp., die diesmal mit Themen wie „Integration“ und „neue Weltordnung“ um Gehör baten, zogen Menschen zu Tausenden an….Eindrucksvoll war auch das Mittagsgebet in der Kreuzkirche, die baulich einen wirklichen Kontrast zur barocken Fülle der Frauenkirche darstellt: für mich ist sie halt „evangelischer“. Die überall im Stadtgebiet verteilten weißen Spitzzelte mit vielen Informations- und Gastronomieständen boten dem hitzegeschädigten Besucher eine willkommene Möglichkeit zum Verweilen: besonders die Zeltstadt der Diakonie hinter der Semperoper muß hier erwähnt werden. Die dort häufig anzutreffenden besonders kranken Menschen in Rollstühlen brachten mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, indem ihr Anblick meine eigenen Krankheiten relativierte. Die Zeltstadt in der „Flutrinne“, in der viele Stände auf dem „Markt der Möglichkeiten“ untergebracht waren, mussten wir wegen „Luftmangel“ leider schnell verlassen. Es war unerträglich heiß dort in den Zelten, so daß wir schnell in die fußläufig erreichbare Messe flüchteten. Apropos fußläufig: auch den Weg von der Messe zur Stadt legten wir zu Fuß zurück, denn der Andrang auf die Straßenbahnen war so enorm, dass man in den Bahnen keine Haltegriffe brauchte, um festen Stand zu haben; man stand wie in einer Sardinendose. Krönender Abschluß war dann für uns ein Abend mit der jüdischen Kantorin und Sängerin Avitall und Herrn Dr. Eckart von Hirschhausen in der Energieverbundarena, einer Eissporthalle. Wie üblich bei Großveranstaltungen mussten wir schon 90 Minuten vorher vor Ort sein – zu Fuß, versteht sich. Aber für ein „christlich – jüdisches Freudenfest“ - auf dem Hintergrund von 50 Jahren „Arbeitsgemeinschaft Juden – Christen“ - , für Liebe und Dialog Juden und Christen aus Sicht der Künstler, lohnte es sich. Und der Abschlussgottesdienst? Nun, beim Blick aus dem Fenster der geräumigen Ferienwohnung und dem Blick auf das „Thermometer im Internet“ entschieden wir uns, uns das Gedränge auf den Elbwiesen bei der Hitze nicht anzutun. Ich denke, dass der „liebe Gott“ dafür Verständnis haben dürfte. So machten wir uns gegen 11.00 Uhr auf den Rückweg, der dank Sonntagsfahrverbot dann zwar ohne LKW stattfand: doch es wurden acht Stunden Fahrt mit vielen langen Staus, bis wir wieder zu Hause waren. Resumee???? Die besorgte Frage unseres Präses und Ratsvorsitzenden der EKD war: „wie es wohl wird?“ Das war eine verständliche Frage, angesichts der Tatsache von über 40 Jahren Kommunismus und der damit einhergehenden „Entchristlichung“ des Ostens. Doch „alles wurde gut!“ ( von Ralf-Peter Becker) |
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| Text von Hintergrundlied " Von guten Mächten" | |||||||||||||||||||